Alumni berichten

Obwohl ich mehrere Studien- und Arbeitsaufenthalte im Ausland absolviert habe, stellt das IPS Programm für mich bis heute ein außerordentliches Ereignis dar.

In der ersten Reihe ermöglichte mir das IPS Programm Einblick hinter den Vorhang der deutschen Politik zu nehmen, die ich nur in den Fachbüchern und Fachmaterialen an der Uni studiert hatte. Die Abgeordnetendebatte mit eigenen Augen zu beobachten, die Rede der Kanzlerin Merkel vor dem proppenvollen Plenarsaal zu zuhören oder die Abstimmung über die größte Grundgesetzänderung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu folgen – dem allen kommt keine Buchtheorie gleich.

Zusammen mit der alltäglichen Arbeit in einem Abgeordnetenbüro, die gewöhnlich aus Vorbereitung der Unterlagen, der Pressemitteilungen, Recherchen oder Begleitung des Abgeordneten zu verschiedensten Terminen und Sitzungen bestand, habe ich einen komplexen Einblick in den Betrieb einer der wichtigsten politischen Institutionen gewonnen.

Darüber hinaus habe ich durch außerhalb Berlin organisierte Bildungsseminare die Möglichkeit bekommen, gründlich auch andere Ecke Deutschlands (Lübeck, Kiel, Bonn, Regensburg, Nürnberg) und unterschiedliche regionale Mentalität kennenzulernen. Das Miterleben der Weltmeisterschaft im Fußball im Gastland hat das Ganze gekrönt.

Das Stipendium hatte auch einen positiven Einfluss auf meine berufliche Laufbahn. Auch dank des Programms habe ich das Auswahlverfahren ins Außenministerium erfolgreich absolviert und dadurch eine solche Beschäftigung gefunden, in der ich gewonnene Kontakte und erworbene Kenntnisse benutzen kann.

Nicht zuletzt hat mich das Stipendium im Bundestag zur intensiven Arbeit im Alumni Netzwerk Tschechien angeregt. So wurde auch diese Webseite ins Leben gerufen oder es wird ein alljährlicher Empfang mit den IPS Stipendiaten im Abgeordnetenhaus des Tschechischen Parlaments organisiert.

Nur schwer lassen sich fünf Monate erfüllt von Erlebnissen, Begegnungen mit interessanten Menschen, Freundschaftaufnahmen, Erweiterung und Vertiefung der Berufserfahrungen und last but not least Kontaktaufbau abzukürzen. Es ist etwas, was man selbst und hautnah erleben muss.
Šárka Strahalová, IPS 2006

IPS ist mit Sicherheit die interessanteste und komplexeste Erfahrung, die ich während meines Studiums erworben habe. Meiner Meinung nach nur wenige Programme verbinden so gut Tätigkeit in der Praxis, Ausbildung und die Möglichkeit andere junge Leute aus so vielen Ländern kennenzulernen. Der Kontakt zwischen den Stipendiaten aus 29 verschiedenen vor allem europäischen Ländern mit dem ähnlichen Interesse an Politik, aber aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlicher historischer Erfahrung, gab ständig neue Impulse zu sehr interessanten Gesprächen untereinander.

Ich hatte das Glück, dass ich im Büro eines Abgeordneten (Dr. Georg Nüßlein, Mitgleid im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie) arbeiten konnte, der sich in seiner parlamentarischen Arbeit mit meinem Studienfach beschäftigt hat. Die Arbeit im Büro und die Möglichkeit Ausschusssitzungen, Plenarsitzungen usw. besuchen zu können stellten für mich deshalb eine wertvolle Quelle an Informationen dar, die ich unmittelbar zur Verfügung hatte. Dies halte ich für eine der größten Bereicherungen, die mir IPS gebracht hatte.

Der IPS-Jahrgang, den ich absolviert habe, war sehr spezifisch und interessant, was die politische Entwicklung zu der Zeit betraf. Es war höchst spannend mitten drin des Geschehens beobachten zu können, wie der neue Präsident in drei Wahlgängen gewählt wurde oder welche Stellung Deutschland zur Finanzhilfe für Griechenland nahm. Wie interessant aber das ganze IPS für Einen sein kann, hängt voll davon ab, wie engagiert man mitmacht. Davon habe ich mich überzeugt.
Lenka Šolcová, IPS 2010

IPS war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung. Das Programm hat mir geholfen, das alltägliche Politikgeschäft besser zu verstehen. Ich konnte direkt verfolgen, wie sich die Auseinandersetzung verschiedener Interessengruppen im Kontext realer Möglichkeiten und politischen Strategien vollzieht.

IPS ermöglichte mir, die politische Arbeit und Diskussion im Wahlkreis, in den Bundestagsausschüssen und Arbeitsgruppen und im Plenum sowie deren Spiegel in der Presse zu beobachten. Ich konnte mir ein realistischeres Bild davon machen, wie die Politik eines Landes und seine politische Kultur  funktioniert. Das hilft mir auch heute für eigene Bewertungen  und für meine persönliche politische Meinungsbildung. Die beim Bundestag gesammelten Erfahrungen konnte ich zudem auch in der Praxis während meiner Arbeit in der Europäischen Kommission fruchtbar machen.

Ich habe viel gelernt auch von meinen “Mit-IPSern”, die aus zahlreichen Ländern stammten und auf unterschiedliche Erfahrungshorizonte zurückblickten. Einige von ihnen sind zu engeren Freunden geworden und mit vielen bin ich auch heute noch im Kontakt.

IPS war für mich daher sehr viel mehr, als nur ein Paar schöner, erfahrungs- und ereignisreicher Monate in Berlin. Es war eine Zeit,  die mich auch heute als IPS-Allumni weiterhin prägt und bereichert.
Kateřina Svíčková, IPS 2007

Meine Berliner Erfahrung liegt zwar völlig fern davon, was die Bundestag-Broschüren versprechen und was die anderen „ordentlichen“ Stipendiaten erlebt haben, im Wesentlichen unterscheidet sie sich jedoch nicht: auch mir haben sich die fünf Monate tief ins Gedächtnis sowie ins Feld der wertvollsten Erfahrungen in meinem Lebenslauf eingegraben.

Wie jeder ausgewählte Bewerber habe ich mich auf das Praktikum im Bundestag gefreut, abends die Profile der einzelnen Abgeordneten durchgelesen und sondiert, wessen Ansichten mir am nächsten lägen und bei wem es mir am besten gefallen würde. Nur ein paar Tage vor der Abfahrt habe ich ein Angebot bekommen, dem ich nicht wiederstehen könnte: nämlich kennenlernen, wo es in der deutschen Politik langgeht, nicht von drinnen, aus einem Abgeordnetenbüro, sondern von draußen, aus einer Redaktion der Deutschen Welle (DW). Bundestag ist nämlich sorgfältig bei der Auswahl seiner Stipendiaten und ahnt, was für Menschen sie sind. Ich habe mich immer für politische Berichterstattung sowie Publizistik interessiert und gesammelte Erfahrungen aus verschiedenen Medien (unter anderem auch die Auslandssendung des Tschechischen Rundfunks) in meinem Bewerbungsbogen erwähnt.

Ich hatte zahlreiche Zeitungs- und Rundfunkredaktionen erlebt, so dass ich nach Berlin, auf alles Mögliche vorbereitet, gefahren bin. Schon die ersten Minuten in der neuen Redaktion haben mir allerdings den Atem verschlagen: zu meiner Überraschung bin ich nicht in das „klassische“ DW-Radio, sondern ins DW-TV hineingekommen. Angesichts der Tatsache, dass wir das Fernsehen zu Hause immer boykottiert hatten und es nur von Erzählungen gekannt hatten, wurde ich ein wenig verunsichert. Aber je bitterer meine Anfänge waren, desto mehr ich gelernt habe.

Ich habe kennengelernt, wie es am Standort der DW-TV in Voltastraße sowie im „Hauptstadtstudio“ im höchsten Stock der Bundespressekonferenz gleich gegenüber dem Reichstag läuft (und ein paar Stunden habe ich immerhin im Hauptsitz von DW-Radio in Bonn verbracht). Ich habe den alltäglichen Stress sowie ruhige Nachtschichten, Dreharbeiten an Ort und Stelle sowie Bearbeitungen von Filmmaterial im Schnittraum erlebt. Ich habe Reportagen vorbereitet, die sich mit der deutschen Politik, Gesellschaft, Kultur und Showbusiness befasst haben. Ich war für Berichterstattung auf den Internetseiten der DW verantwortlich und habe bei Besprechungen die Sendung aus der Sicht einer Ausländerin, die sich für Deutschland interessiert, bewertet. Also gerade aus der Sicht eines Menschen, für den die DW ausstrahlt. Jetzt, mit zeitlichem Abstand gesehen, wundere ich mich selbst, was alles sich in den fünf Monaten machen ließ.

Ich habe zugleich den größten Teil davon, was die anderen Stipendiaten erlebt haben, nicht verpasst. Ich habe an allen Vorträgen und Seminaren teilgenommen, die Tagungen des Bundestags von der Journalistentribüne verfolgt, und obwohl ich keinen „eigenen“ Abgeordneten hatte, habe ich mich auch auf eine Wahlkreisreise gemacht. Ich habe Flensburg-Schleswig, den Wahlkreis eines der Gründer des IPS Wolfgang Börnsens zur Zeit der gipfelnden Kampagne vor den Bundestagswahlen besuchen können.

Aus dieser Berliner Erfahrung schöpfe ich bis heute. Ich habe die Gelegenheit bekommen kennenzulernen, wie es in der deutschen Politik und Medien funktioniert. Dieses deutsche Modell wird mir oft zum Ausgangspunkt für eine Auswertung und ein Vergleich dazu, was in der Tscheschischen Republik los ist.

Von Fernsehen bin ich zwar wieder zum Rundfunk übergelaufen, aber der Deutschen Welle bin ich wenigstens als Zuschauerin treu geblieben.
Tereza Burianová, IPS 2009

Im Rahmen des IPS Stipendiums habe ich im Büro von Nicole Bracht-Bendt (FDP) gearbeitet, die Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und auch in der Kinderkommission (KiKo) war. Auch wenn diese Bereiche nicht gerade zu meinen größten Interessen gehörten, war es für mich doch spannend, wie politisch diese Themen in Deutschland, die in Tschechien eher am Rande des politischen Interesses liegen, sein können. Während meines Stipendiums wurde über Frauenquote, Betreuungsgeld oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Bundestag heiß diskutiert, was auch unser Abgeordnetenbüro viel beschäftigt hat.Neben den alltäglichen Büroarbeiten beschäftigte ich mich meistens mit fachlichen Recherchen, die “meine“ Abgeordnete für unterschiedliche Sitzungen, Treffen oder Podiumsdiskussionen benötigte. Ab und zu ging ich auch zu Veranstaltungen, die sie nicht wahrnehmen konnte, die sie aber trotzdem interessierten. In den Sitzungswochen begleitete ich sie zur unterschiedlichen Sitzungen (Ausschuss, Arbeitsgruppe, Arbeitskreis) usw.

Allgemein sehe ich den größten Beitrag des IPS Programms in der breiten Möglichkeit der Selbstverwirklichung, des Ausprobierens vom Neuen und auch Kennenlernens der Kulturen und Geschichten anderer Teilnehmerländer. Wenn man sich für das Gesellschaft- und politisches Geschehen interessiert, hat man im Rahmen dieses Programms fast unbegrenzte Wahlmöglichkeiten. Gleichzeitig habe ich viel von den anderen StipendiatInnen und über ihre Länder gelernt. Menschen aus den Ländern wie Aserbaidschan, Kasachstan, Georgien, Belarus oder Israel habe ich erst in Berlin kennengelernt.
Petra Kouřimská, IPS 2012

Durch das IPS- Programm habe ich nicht nur meine theoretischen Kenntnisse der deutschen Politik praktisch erlebt, sondern ich fing an, auch die Welt mehr aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach, dass intelligente Menschen aus verschieden Kulturen mit ähnlichen Interessen zusammengebracht werden und sich gemeinsam mit unterschienlichen Themen auseinandersetzen. Dies geschah sowohl während der Seminare bei den politischen Stiftungen als auch in der Gruppenarbeit, bei der man oft mit anderen Vorstellungen der einzelnen Gruppenmitglieder „kämpfen“ musste. Schließlich kam man aber immer zu einem Kompromiss und dass ist das, was man in sich für immer behält.

Im Büro des damaligen Bundestagsabgeordneten Christoph Poland (CDU/CSU) bestanden meine Aufgaben hauptsächlich aus den Recherchearbeiten zu verschiedenen Themen, dem Verfassen von Pressemitteilungen und Briefen, der Betreuung von Besuchergruppen aus dem Wahlkreis und den allgemeinen Bürotätigkeiten. Eine große Enttäuschung war für mich z.B. die Tätigkeit des Kulturausschusses, was aber logisch ist, weil in Deutschland im Unterschied zu Tschechien sehr wenig auf der Bundesebene passiert.

Schließlich habe ich während des IPS-Programms neue Freundschaften geknüpft, die hoffentlich lebenslang bleiben.
Renata Kopřivová, IPS 2013

Das Stipendium im Rahmen des IPS-Programms habe ich im Büro der Abgeordneten Petra Ernstberger (SPD) verbracht, die ein langjähriges Mitglied und zurzeit auch die Vorsitzende der Deutsch-Tschechischen Parlamentariergruppe ist. Deswegen konnte ich neue Erkenntnisse und Erfahrungen nicht nur im Bereich der deutschen Politik sammeln, sondern auch im Bereich der deutsch-tschechischen Beziehungen. Im Büro habe ich oft mit tschechischen Ministerien und anderen Behörden kommuniziert. Als Vertreterin der grenznahen Wahlkreise Hof und Wunsiedel hatte “meine” Abgeordnete auch etliche Interessen auf der anderen Seite der Grenze, vor allem in der Umgebung von Cheb/Eger, sodass ich ab und zu auch mit dortigen Kommunalpolitikern kommuniziert habe. Außer den mit Tschechien verbundenen Themen habe ich mich aber auch mit anderen Lebensbereichen beschäftigt: vom Gesundheitswesen, über die Drogen-Problematik bis zur Abfallwirtschaft. Ich habe mit Beantwortung einiger Fragen der Bürger aus dem Wahlkreis geholfen oder Unterlagen für Podiumsdisskusionen vorbereitet.

Da Frau Ernstberger die Funktion der Parlamentarischen Geschäftsführerin innehat und die Sitzungen des Ältestenrates nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind, habe ich nur selten an Sitzungen von Ausschüssen teilgenommen. Ich konnte sie aber dafür bei verschiedenen Terminen mit interessanten Persönlichkeiten begleiten: vom damaligen tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg, über verschiedene tschechische Politiker bis zu dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus aus Bangladesch.

Eine Besonderheit meines IPS-Jahrgangs war, dass zwei Monate nach dessen Ende die Bundestagswahl stattgefunden hat. Helfen mit der Vorbereitung der Wahlkampagne war somit ein weiterer Teil meines Praktikums.

Außer der Büroarbeit war für mich vor allem die Zusammenarbeit mit jungen Leuten aus Europa und aller Welt sehr bereichernd. Auch wenn das IPS nicht meine erste Auslandserfahrung war, durch die Intensität des alltäglichen Kontaktes und der Zusammenarbeit an verschiedensten Projekten war es auf jeden Fall außergewöhnlich. Ich habe somit nicht nur wichtige interkulturelle Kompetenzen, sondern auch Freunde gewonnen, von denen einige in meinem Leben bis heute geblieben sind.

Eine Bereicherung des Programms stellten auch die Exkursionen und Seminare dar, wo ich mehr über die politischen Parteien oder die deutschen Minderheitenpolitik erfahren und verschiedene Ecken Deutschlands kennen gelernt habe: vom bayerischen Hof, über Gummersbach im Rheinland bis zur norddeutschen Insel Sylt.

Das IPS-Programm ist auf jeden Fall eines der bedeutendsten Kapitel meines Lebens, das mir zur Weiterentwicklung sowohl im beruflichen als auch im persönlichen Leben geholfen hat. Jedem, der darüber nachdenkt, sich zu bewerben, empfehle ich es herzlich.
Jaromír Mrhal, IPS 2013

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